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am 14. Juni

Schulweg verpasst?

Erika Balogh, Christine Balogh - Erinnern Sie sich auch noch gerne an die Zeit, in der Sie sich mit Ihren Freunden/Freundinnen gemeinsam auf den Weg zur Schule machten? Oder das Heimgehen miteinander, wenn für diesen Tag der Unterricht zu Ende war und man endlich Zeit und Gelegenheit fand, all die wichtigen oder spaßigen Dinge miteinander zu teilen, an die man schon den ganzen Vormittag dachte?

Wie herrlich war es, endlich aus dem Schulhaus zu kommen, nachdem wir soooo lange ruhig und aufmerksam in der Klasse sitzen mussten. Die Bewegung tat uns wirklich gut!

Für mich war der Schulweg, den wir alle zu Fuß, zu zweit oder in größeren Gruppen zurückzulegen hatten, immer eine Zeit, auf die ich mich freute. Was ich so mochte? Meine Freundinnen und ich konnten nach Herzenslust alles, was uns wichtig war besprechen – auch Vorfälle in der Schule, Aufregendes, Aufwühlendes fand hier zuallererst Platz, gemeinsam erzählt und besprochen zu werden.

Natürlich kam es auch vor, dass ich mich manchmal alleine ging. Auch das hatte für mich eine positive Seite: Ich konnte über Erlebtes in Ruhe nachdenken, Eindrücke verarbeiten noch bevor ich zu Hause dann erzählte. Vieles konnte zuerst einmal für mich alleine verdaut werden.

Auf dem Schulweg gehörte die Zeit nur mir – keine Eltern waren um mich, um mir zu sagen, was ich zu tun und zu lassen hätte. Freilich war mir auch bewusst, dass ich auf den Verkehr achten musste, mich zu benehmen hatte, auf mich selbst zu schauen hatte – ich war nun für mich selbst verantwortlich und fühlte mich dadurch auch schon ein bisschen „größer“ als die Kleinen, die nur in Begleitung unterwegs waren. Was für ein erhebendes Gefühl! Und was alles konnte einem da unterwegs begegnen!

Dies hier sind persönliche Erinnerungen und Assoziationen, die viele von Ihnen in ähnlicher Form haben werden. Es gibt zu dieser Thematik zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und Ergebnisse, die den Nutzen und die vielen positiven Aspekte der Bewältigung des Schulwegs zu Fuß zum Thema haben.

„Wer den Schulweg verpasst, verpasst das halbe Leben“


Diese Aussage stammt von einem Schweizer Erziehungswissenschafter und Kunsthistoriker, der sich mit der unterschiedlichen Wahrnehmungsweise von Kindern, die zu Fuß zur Schule gehen bzw. mit dem Auto zur Schule gefahren werden,  auseinandersetzte. Hüttenmoser ließ Kinder ihren Schulweg zeichnen und stellte fest: Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen, nehmen die Welt völlig anders wahr. Die Fahrt im Auto hinterlässt kaum Schulweg- Eindrücke. So fehlen in Zeichnungen der Kinder, die mit dem Auto gebracht wurden, oftmals Details (nur graue Straßen, eine Ampel, ein Kreisverkehr) bzw. klammerten diese Kinder die Zeit, die sie im Auto verbracht hatten völlig aus und zeichneten das Schulhaus direkt neben ihr Wohnhaus.

Hüttenmoser weist in diesem Zusammenhang darauf hin, wie wichtig es ist, dass Politik und Behörden den öffentlichen Raum und Schulweg so gestalten, dass Kinder diesen gefahrlos und auf eigene Faust erfahren und gehen können. Dieser Ansicht schließen wir uns voll und ganz an und wir möchten Sie dazu ermutigen, Ihren Kindern diese für ihre Entwicklung so wertvollen Eindrücke und Erfahrungen zuzutrauen und zu gönnen, indem Sie Ihre Kinder zu Fuß auf den Weg schicken!​

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